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Leben im Delta

Neue Maßstäbe in der Küchenwelt – Ein Gespräch mit Dennis Schaffhausen von bulthaup Heidelberg

Mit der Eröffnung des neuen bulthaup-Showrooms in Heidelberg setzt Geschäftsführer Dennis Schaffhausen ein klares Statement: Küchen sind weit mehr als funktionale Räume – sie sind Zentrum des Lebens und Ausdruck individuellen Designs. Im Interview spricht er über aktuelle Küchentrends, die Bedeutung von Regionalität, innovative Materialien und seine Eindrücke von den großen Küchendesign-Messen. Außerdem gibt er Einblicke, wie sich unser Kochverhalten verändert und was Drohnen damit zu tun haben könnten.

Delta im Quadrat, Tim Fischer: Dennis, ihr habt kürzlich eine neue bulthaup-Filiale in Heidelberg eröffnet. Warum genau dieser Standort? Was macht den neuen Showroom besonders?

Dennis Schaffhausen: Nachdem die Umstände am alten Standort unzumutbar wurden, haben wir einen Standort gesucht, der alleine für sich steht und allen in Heidelberg sagt: „hier ist bulthaup“ – ein Standort, der so sichtbar und nutzbar ist, war dann für uns ideal. 550 Quadratmeter über drei Ebenen geben viel Raum zur Gestaltung von echten Wohn- und Küchenszenarien.

DiQ: Als Geschäftsführer von bulthaup bist du immer nah dran an den neuesten Entwicklungen in der Küchenbranche. Welche aktuellen Küchentrends siehst du gerade und wie finden sie sich in euren Designs wieder?

DS: Ob man es als Trend oder als wiederkehrende Wellenbewegung bezeichnen will, ist immer die Frage. Aber individuelle Farben in Kombinationen mit Holz oder Keramiken sind ein Trend, den man spürt. Auch der Einfluss aus Italien ist wieder etwas größer geworden. So spürt man hier deutlich einen Wunsch nach geaderten Steinplatten, also in Richtung Marmor. Hier können wir mit unseren Keramik-Arbeitsoberflächen ein tolles Design anbieten. Erst kürzlich haben wir sogar eine ganze Insel aus Stein verkaufen dürfen!

DiQ: Die Küche ist längst mehr als nur ein Ort zum Kochen – sie wird immer stärker zum zentralen Lebensraum. Wie geht bulthaup mit diesem Wandel um?

DS: Wie Helmut Schmidt mal so genial gesagt hat: Du hast mir die falsche Frage gestellt! Für uns ist das kein Wandel, wir haben den Wandel initiiert. Mit dem Gestalter Otl Aicher ist die Kücheninsel erfunden worden. Zusammen mit Gerd Bulthaup hat Aicher eine Insel entworfen, die diesen Prozess gestartet und befeuert hat. Somit leben wir nur unsere DNA weiter. Die Entwicklung der Kochfeldabzüge hat den letzten Dominostein ins Kippen gebracht. So haben wir nun die Möglichkeit, Kochinseln mit einem super Abzug auszustatten, ohne die Küche wegen eines Edelstahlmonsters zu sehr nach Küche aussehen zu lassen.

DiQ: Regionalität wird beim Kochen immer wichtiger. Spiegelt sich dieser Trend auch in euren Küchen wider? Und wie unterstützt ihr eure Kundinnen und Kunden dabei, regionale Kochkultur in ihren Alltag zu integrieren?

DS: Ich glaube, hier liegt eine wichtige Antwort im Vakuumieren. Immer mehr Lebensmittel werden regional gekauft und müssen dann haltbar gelagert werden. Hier bieten wir Systeme zum Beispiel von Bora an, welche ideal unterstützen. Im Vakuum einfrieren ist sehr viel schonender für das Gefriergut, es kann dann perfekt gelagert werden. Aber auch unsere Kühlgeräte bieten mit ihrer Null-Grad-Zone einen Lagerraum an, in dem Gemüse fast doppelt so lange alle Vitamine und Mineralstoffe behält. Wichtig ist, dass unsere Kundinnen und Kunden uns ihre Einkaufsgewohnheiten mitteilen, dann können wir die passende Geräteauswahl zusammenstellen und vorschlagen.

DiQ: Du bist regelmäßig auf Messen wie in Mailand oder Köln unterwegs. Gab es auf den letzten Messen eine Innovation oder ein Design, das dich besonders beeindruckt hat und das du gerne in zukünftigen Küchenprojekten umsetzen würdest?

DS: Jein… auf Messen ist es schwer, einen Profi wirklich zu beeindrucken, aber mir hat ein Konzept bzw. die Fragestellung dahinter wirklich gefallen: Seit der Steinzeit ist die Feuerstelle das Zentrum des Kochvorganges. Die Entwicklung der Dampfgarmethoden hat das Kochfeld merklich unbedeutender werden lassen. Auf einmal rückt die Wasserstelle ins Zentrum. Mit dem „Quooker“ kommt zum Beispiel kochendes Wasser, stilles Trinkwasser und Sprudelwasser direkt aus dem Wasserhahn. Dass in Tokio inzwischen Drohnen das Essen an den Balkon liefern und man nur noch spülen muss, ist ein Trend, den ich in Deutschland bitte nicht brauche, aber ob wir ihn aufhalten können? Ich wage es zu bezweifeln. Das heißt aber dann, die eigentliche Vorbereitung der Hauptmahlzeit findet nicht mehr in den eigenen vier Wänden, sondern beim Lieferdienst statt. Welchen Vorteil hat das? Wir bekommen fertiges Essen geliefert und können mehr Zeit mit den Freunden verbringen. Auf den Messen werden immer wieder Tische mit integrierten Kochzonen gezeigt – eigentlich auch nur die logische Konsequenz aus so einer Entwicklung, da dann die letzten 10-15 % des Kochvorgangs mit den Freunden am Tisch stattfinden können. Jetzt fehlt nur noch ein Tisch mit Kochfeld und Dunsthaube, damit es nicht tagelang nach Essen riecht... (Fotos © Julius Hirtzberger)


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